Kennen Sie den Kobayashi Maru Test? Nein? Keine Angst, Sie müssen nicht panikartig Ihre Bewerbungsratgeber durchblättern, weil Sie von diesem Test noch nie gehört haben.

Der Kobayashi Maru Test

Es handelt sich dabei nämlich nicht um einen Einstellungstest im Bewerbungsverfahren. Es sei denn, Sie möchten sich bei der Sternenflotte bewerben 😉 Der Kobayashi Maru Test kommt aus dem Star Trek Universum und ist ein Test für Sternenflottenkadetten. Ja, Sie haben richtig gelesen: Star Trek. Das Besondere an diesem Test ist, das die Testperson vor eine No-Win-Situation gestellt wird: Egal wofür er sich entscheidet, es wird ein böses Ende nehmen. Das Verfahren dient dazu, den Charakter der Testperson in ausweglosen Situationen zu überprüfen.

Nun, bei einem echten Bewerbungsgespräch werden Sie wahrscheinlich keinen Kobayashi Maru Test vorgesetzt bekommen. Aber es kann schon passieren, dass Ihnen skurrile Fragen gestellt werden, die auf den ersten Blick rein gar nichts mit der ausgeschriebenen Stelle oder Ihrem Lebenslauf zu tun haben.

Skurrile Fragen im Vorstellungsgespräch

Solche Fragen können lauten:

  • Wenn Sie ein Tier sein könnten – welches Tier möchten Sie gerne sein? (kann auch mit Frucht/Küchenmaschine/Pflanze/Farbe etc. gestellt werden)
  • Wie viele Straßen gibt es in London? (Ampeln in New York, Grashalme auf einem Fußballfeld etc.)
  • Wie viele Smarties passen in einen Smart? (Golfbälle in eine Boeing 747, Rosinen in eine 100L-Tonne, etc.)

Sie können diese Liste beliebig fortsetzen. Das überlasse ich ganz Ihrer Fantasie. Sie können sich gerne selbst neue Fragen ausdenken, denn die Personalistin macht ja auch nichts anderes 😉

Das Gute an diesen Fragen ist, dass es keine richtige oder falsche Antwort gibt. Wie beim Kobayashi Maru Test geht es nicht darum, die richtige Lösung zu finden. Der Interviewer möchte sehen, wie Sie auf diese skurrilen Fragen reagieren. Gelingt es Ihnen ruhig und gelassen zu bleiben? Oder flippen Sie aus, brüllen „So eine Frechheit!“ und stürmen zur Tür hinaus? (Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass dann Ihre Bewerbung automatisch in die Rundablage – sprich Papierkorb – wandert.)

Natürlich werden die skurrilen Fragen nicht automatisch eingesetzt. Viele Rekruiter halten nichts von dieser Fragetechnik (dazu gehöre ich übrigens auch). Die meisten Bewerber bekommen diese Fragen nie zu hören. Aber es kann doch fallweise passieren, daher gehe ich näher darauf ein.

Wann werden skurrile Fragen verwendet?

Wann setzt eine Personalistin also diese skurrilen Fragen ein – wenn überhaupt?

  1. Bei Tätigkeiten mit Kundenkontakt
  2. Bei höheren Positionen bzw. bei gut ausgebildeten Bewerbern

Lassen Sie uns die beiden Möglichkeiten genauer betrachten:

  1. Tätigkeiten mit Kundenkontakt

Jeder, der in seinem Beruf mit Kunden direkt zu tun hat, weiß, dass Menschen oft die unmöglichsten Fragen haben oder die unmöglichsten Probleme gelöst haben wollen oder sich einfach nur unmöglich benehmen. Viele Fragen oder Anliegen treffen Sie ganz unvorbereitet und können von Ihnen nicht (sofort) gelöst werden. Daher ist es wichtig, dass Sie immer ruhig und professionell bleiben, auch wenn ein Kunde seinen Ärger an Ihnen auslässt oder wenn Sie die Situation unerwartet trifft. Die Personalistin möchte diese Fähigkeit natürlich „live“ erleben und stellt Sie vor eine unlösbare Fragestellung. Wenn Sie es in einem Vorstellungsgespräch schaffen, bei einer skurrilen Frage zu punkten, dann sind Kundengespräche für Sie wohl auch ein Klacks.

  1. Höhere Positionen bzw. gut ausgebildete Bewerber

Wenn höhere Positionen ausgeschrieben werden oder Positionen, die gut ausgebildete Bewerber ansprechen, geht die Personalistin davon aus, dass Sie sich auch umfassend auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten. Die üblichen Fragen nach Stärken/Schwächen oder nach den Karrierezielen in 5 Jahren treiben niemandem mehr den Puls nach oben. Daher versuchen Personalisten, Sie mit unvorhergesehenen Fragen aus der Reserve zu locken und bei Ihnen eine authentische Reaktion hervorzurufen. Auch hier geht es nur darum, Ihre Reaktion zu beobachten.

Wie reagiere ich am besten?

Wenn Sie also so eine skurrile Frage bekommen, reagieren Sie am besten folgendermaßen:

  1. Bleiben Sie ruhig und atmen Sie tief durch
  2. Nehmen Sie sich Zeit zu überlegen. Sie dürfen ruhig einen Moment nachdenken. Niemand erwartet, dass die Antwort wie aus der Pistole geschossen kommt.
  3. Geben Sie Ihre Antwort UND begründen Sie sie.

 

Hier finden Sie einige Beispiele:

Frage: Welches Tier würden Sie gerne sein?

Antwortmöglichkeiten: Ich wäre gerne…

… eine Biene: kann fliegen, bin in der Natur, produziere leckeren Honig

… ein Bär: groß, stark, ruhig und gelassen, aber auch wehrhaft wenn angegriffen

… ein Singvogel: kann fliegen, kann schön singen und meine Umgebung mit meinem Gesang erfreuen

 

Frage: Welche Frucht wären Sie?

Antwortmöglichkeiten: Wenn ich eine Frucht wäre, wäre ich …

… eine Weintraube: bin immer mit anderen Trauben zusammen, schmecke alleine auch süß, kann vielseitig eingesetzt werden als Obst, für Wein oder für Rosinen

… eine Orange: schmecke gut, habe viele Vitamine, darf weit reisen, kann zu einem guten Saft verarbeitet werden

… eine Banane: gebe Kraft und Energie, kann zu Höchstleistungen anspornen, wachse gemeinsam mit anderen Bananen

Versuchen Sie, eine plausible Begründung zu finden, auch wenn sie an den Haaren herbeigezogen scheint. Auch eine scheinbar absurde Begründung ist besser als ein gestottertes „Warum eine Banane? Ähm… keine Ahnung, weiß ich nicht. Einfach so.“ Wenn Ihnen gar nichts einfällt, können Sie immer noch sagen, dass Ihnen diese Frucht am besten schmeckt / dieses Tier Ihr Lieblingstier ist usw.

Einige Personalistinnen werden vielleicht etwas in Ihre Antwort hineininterpretieren. Meiner Meinung nach ist es aber höchst unseriös, aus der Antwort Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit oder Ihre Kompetenzen zu ziehen. Ist die Traube ein besserer Teamplayer als die Orange? Sollen die Mitarbeiter im Kundendienst eher Bienen oder eher Bären sein???

Bei den Schätzfragen gelingt es Ihnen vielleicht, einen Lösungsansatz grob herzuleiten. Auch wenn Sie sich dabei grob verschätzen. Das ist egal, da es ja ohnehin nicht um die Lösung an sich geht.

 

Frage: Wie viele Smarties passen in einen Smart?

Antwortmöglichkeit: In einer Rolle Smarties sind vielleicht 20 Smarties drin. Von diesen Rollen passen ca. 500 in den Kofferraum, und in den Sitzbereich vielleicht nochmal 4x so viele. Macht 2.500 Rollen zu je 20 Smarties – also in Summe so 50.000 Smarties.

Dabei ist es zweitrangig, ob die Zahlen und Annahmen wirklich so stimmen. Allerdings sollten Sie bei dieser Herleitung das Kopfrechnen beherrschen, sonst wird’s eher peinlich.

Sie können auch versuchen, diese Schätzfragen mit einer Prise Humor zu lösen.

 

Frage: Wie viele Golfbälle passen in eine Boeing 747?

Antwortmöglichkeiten:

Meine Tochter würde sagen: ‚Fünfhunderttausendmillionentrilliarden‘.

Oder

Ich schätze, es sind 47.483.971 Bälle.

 

Wie gesagt, es geht nicht um die Antwort an sich, sondern um Ihre Reaktion auf die Frage. Kann Sie die Frage aus der Ruhe bringen? Oder schaffen Sie es, trotzdem cool zu bleiben oder sogar zu schmunzeln?

Daher nochmals meine Empfehlung:

  1. Bleiben Sie ruhig und gelassen.
  2. Atmen Sie tief durch.
  3. Nehmen Sie sich Zeit zu überlegen.

Wichtig ist: Nehmen Sie diese Fragen nicht persönlich! Ihre Interviewpartner stellen Ihnen diese Fragen nicht, weil sie Sie als Person nicht leiden können oder weil Sie das Gespräch sowieso schon verpatzt haben. Sie stellen diese Fragen auch nicht, weil sie ein hinterhältig sind und Ihnen Böses wollen. Sie stellen diese Fragen wahrscheinlich bei jedem Gespräch, weil sie eben beobachten wollen, wie die Bewerber in dieser Situation reagieren.

Um nochmal auf den Kobayashi Maru Test zurückzukommen. Wissen Sie, wie Captain Kirk den Test bestanden hat? Er hat geschummelt…

 

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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