Welche Inhalte gehören in einen Lebenslauf rein, und was nicht? Was ist ein MUST-HAVE und was ist nur ein NICE-TO-HAVE?

Heute möchte ich einen Überblick über die einzelnen Themenbereiche eines Lebenslaufes geben. Vieles erscheint auf den ersten Blick „eh logisch“, wird aber dann im eigenen Lebenslauf doch nicht so umgesetzt, wie es sein sollte.

Das Allerwichtigste: Übersichtlichkeit

Bevor ich zu den Inhalten komme, möchte ich eines klar betonen: Das Wichtigste bei einem Lebenslauf ist
die ÜBERSICHTLICHKEIT!

Die Personalistin muss mit einem Blick die Informationen finden, die für sie wichtig sind. Daher bitte unbedingt den Lebenslauf in tabellarischer Form verfassen. Das heißt, die einzelnen Punkte werden der Reihe nach als Aufzählung untereinandergeschrieben. So kann der Leser Ihres Lebenslaufes die wichtigsten Stationen Ihres Berufslebens blitzschnell erfassen. Denken Sie daran: Ihre Bewerbungsunterlagen sind Ihre Visitenkarte. Ein klar strukturierter Lebenslauf lässt auf eine klar strukturierte Arbeits- und Denkweise schließen. Ist schon der Lebenslauf wirr und langatmig – wie ist dann erst Ihre Arbeitsweise?

Das Wichtigste bei einem Lebenslauf ist die ÜBERSICHTLICHKEIT!

Karin Leitmüller

Es gibt nur eine einzige Ausnahme, bei der ein Lebenslauf nicht tabellarisch sein muss: bei kreativen Berufen. Wenn im Job kreatives Denken und künstlerische Gestaltung erwartet wird, dann können Sie ruhig auch bei Ihrer Bewerbung kreativ sein und out-of-the-box denken und gestalten. Denn auch hier gilt: die Bewerbungsunterlagen sind Ihre Visitenkarte.

Datumsangaben Ihres Lebenslaufs sollen immer auf Monat genau angegeben sein, also „08/2013 – 10/2015“. Nur die Jahresangaben zu verwenden, ist zu ungenau und weckt den Verdacht, dass Sie eine Lücke im Lebenslauf kaschieren möchten. Auch für die Angabe von Ausbildungen verwenden Sie die Monatsangaben.

Welcher Inhalt ist ein MUSS im Lebenslauf

Was sind die Dinge, die unbedingt in einen Lebenslauf gehören? Wonach suchen die Personalistinnen in allen Bewerbungsunterlagen?
Gehen wir die Sache der Reihe nach an.

1. Persönliche Daten und – wenn nicht schon auf dem Deckblatt – Ihr Foto

Zu den persönlichen Daten gehören:

  • Name
  • Akademischer Titel (wenn vorhanden)
  • Adresse
  • Telefonnummer
  • E-Mail-Adresse
  • Geburtsdatum

Familienstand und Anzahl der Kinder schreiben Sie nur dazu, wenn es für Ihren Lebenslauf relevant ist, z.B. wenn Sie aufgrund von Kinderbetreuung bzw. Karenz eine Lücke in Ihrem beruflichen Werdegang haben. Ähnliches gilt für die Staatsangehörigkeit: wenn die Möglichkeit besteht, dass sich die Personalisten aufgrund bspw. Ihres Namens die Frage stellt, welche Staatsangehörigkeit Sie haben, dann geben Sie sie an. Ansonsten einfach weglassen.

Was Sie auch getrost weglassen können, ist Ihr Geburtsort und Name und Beruf Ihrer Eltern. Das ist nicht mal für eine Bewerbung um eine Lehrstelle relevant.

Zum Bewerbungsfoto möchte ich hier gar nicht allzu viel sagen, denn nächste Woche gehe ich ganz detailliert auf dieses Thema ein. Nur eines vorweg: für Bewerbungen bei uns in Österreich gehört ein schönes professionelles Foto einfach zum Lebenslauf dazu.

2. Beruflicher Werdegang

Was Ihren potentiellen Arbeitgeber am meisten interessiert, ist Ihre bisherige Berufserfahrung. Daher kommt diese Information gleich nach den persönlichen Daten.

Dabei geben Sie Ihre beruflichen Stationen in umgekehrter Reihenfolge an, dh. Sie beginnen mit dem aktuellsten und arbeiten sich in die Vergangenheit zurück.

Ausnahme: Wenn Sie noch keine Berufserfahrung haben, weil Sie gerade erst Ihre Ausbildung abgeschlossen haben, dann ziehen Sie Ihren schulischen Werdegang vor. Geben Sie aber trotzdem Ferialjobs, Nebenjobs oder Praktika in Ihrem beruflichen Werdegang an, denn auch dadurch haben Sie Berufserfahrung gewonnen!

Bei den einzelnen Jobs geben Sie an:

  • Beginn und Ende des Dienstverhältnisses (auf Monat genau)
  • Jobbezeichnung
  • Arbeitgeber
  • Beschreibung der Tätigkeit bzw. der Verantwortungsbereiche
  • Gegebenenfalls Budgetverantwortung oder Personalverantwortung

Verwenden Sie die Jobbezeichnung, die auch in Ihrem Dienstzeugnis steht. Sollte die Bezeichnung so speziell sein, dass die Personalistin vielleicht nichts damit anfangen kann, setzen Sie eine gängigere Bezeichnung einfach in Klammer dazu.

Wenn Sie Ihren Arbeitgeber nicht namentlich nennen möchten, dann beschreiben Sie zumindest die Branche, in der Sie tätig waren. So kann sich die Personalistin ein besseres Bild von Ihren Berufserfahrungen machen. (Bsp. Die Personalverrechnung eines großen Bauunternehmens zu machen, ist Welten entfernt von der Personalverrechnung eines Bürobetriebs.)

Für die Beschreibung Ihrer Tätigkeit verwenden Sie nur die 3-5 wichtigsten Hauptaufgaben! Wenn Sie sich nicht sicher sind, was Sie erwähnen sollen und was nicht, dann überlegen Sie, welche Aufgaben für jene Stelle vorteilhaft sind, für die Sie sich gerade bewerben. Führen Sie jene Punkte an, die Ihre Qualifikation und Ihre Kompetenz für die neue Stelle unterstreichen.

Beschreiben Sie Ihre „jüngsten“ Jobs ausführlicher als jene Jobs, die schon länger zurückliegen. Bei Jobs, die länger als 10-15 Jahre zurückliegen, können Sie eine detaillierte Tätigkeitsbeschreibung überhaupt weglassen.

Wenn Sie in Ihrem Job Personalverantwortung innehatten oder wenn Sie Budget eigenverantwortlich verwalten konnten, dann gehört das auf alle Fälle in den Lebenslauf hinein! Schreiben Sie auch dazu, wie viele Mitarbeiter Sie hatten oder wie hoch das Budget war, für das Sie verantwortlich waren.

Beispiel:
08/2013 – 10/2015
Mitarbeiterin im Kundendienst
Fa. XYZ GmbH

  • Bearbeiten von Kundenanfragen via Telefon und E-Mail
  • Entgegennehmen und Prüfen von Reklamationen
  • Abwicklung von Retoursendungen im SAP System
  • Eigenständiges Entscheiden über „Geld-zurück“ Abwicklung bis max. 250 € Warenwert

3. Schulischer Werdegang, Ausbildung

Geben Sie nur die wichtigsten Stationen Ihrer Ausbildung an. Kein Mensch interessiert sich für Ihre Volksschule. Auch hier gilt: alles was länger zurück liegt als 10-15 Jahre und kein wesentlicher Meilenstein Ihrer Ausbildung ist, hat im Lebenslauf nichts verloren.

Sie sind 28 Jahre alt und haben gerade Ihren ersten Job nach dem Studium? Ok, dann können Sie noch erwähnen, ob Sie in einer HAK oder in einem Gymnasium maturiert haben. Wenn Sie nach dem Studium schon 10 Jahre Berufserfahrung vorweisen können, interessiert sich niemand mehr für Ihre Matura (sorry!)

Haben Sie eine Lehre abgeschlossen, im Zuge einer Abendschule die Matura nachgeholt oder eine andere Ausbildung gemacht, dann schreiben Sie natürlich beides hinein.

Seien Sie auch hier kurz, prägnant und übersichtlich!

Überlegen Sie, ob und wie die erwähnte Ausbildung Ihre Qualifikationen und Ihre Kompetenzen für die ausgeschriebene Stelle unterstreicht. Positiv wirken abgeschlossene Ausbildungen, wie Lehrabschluss, Gesellen- oder Meisterprüfungen, Studium, Ausbildungen mit Diplomzeugnis, etc.

Noch ein Wort zu Diplom- oder Abschlussarbeiten: wenn das Thema Ihrer Arbeit zur ausgeschriebenen Stelle passt, dann erwähnen Sie das ruhig im Lebenslauf! Sie stärken damit ja Ihre Qualifikation für den Job! Wenn das Thema aber nichts mit der Stelle zu tun hat, dann lassen Sie das Thema einfach weg.

4. Kenntnisse

Hier geht es um Kenntnisse, die für die ausgeschriebene Stelle wichtig sind!

In den meisten Fällen geht es dabei um Computer- oder Sprachkenntnisse. Beschreiben Sie Ihre Kenntnisse so treffend wie möglich. „Sicherer Umgang mit…“ oder „sehr gute Anwenderkenntnisse…“ beschreiben Ihre Computerkenntnisse viel anschaulicher als beispielsweise der Hinweis, dass Sie vor 5 Jahren den Computerführerschein gemacht haben.

Gehen Sie so gut wie möglich auf die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle ein. Wenn Sie eine Anforderung nicht zu 100% erfüllen, dann sagen Sie ruhig, dass Sie lernwillig sind. Wenn Italienisch eine Voraussetzung ist, aber Ihre Italienischkenntnisse auf Maturaniveau eingerostet sind, dann seien Sie ehrlich. Aber sagen Sie gleich dazu, dass Sie bereit sind, durch Sprachkurse Ihre Kenntnisse aufzufrischen.

5. Kopf- oder Fußzeile mit Ihren Kontaktdaten

Runden Sie den professionellen Eindruck Ihres Lebenslaufes dadurch ab, dass Sie in der Kopf- oder Fußzeile Ihre Kontaktdaten (Name, Telefonnummer, E-Mail) eingeben.

 

So, das wären die MUST-HAVES eines Lebenslaufs! Das Pflichtprogramm, sozusagen.

Freiwillige Inhalte – die Kür

Jetzt gibt es noch verschiedene freiwillige Inhalte, die Sie nur reinschreiben, wenn sie für Sie positiv und unterstützend sind.

Was Sie im Lebenslauf angeben, hängt von 2 wichtigen Faktoren ab:

  1. Ihrem persönlichen Werdegang
  2. Der ausgeschriebenen Stelle
Karin Leitmüller

Fähigkeiten, Talente

Diese Rubrik ist eng verwandt mit dem Punkt „Kenntnisse“. Auch hier geht es darum, was Sie für die ausgeschriebene Stelle brauchen können! Wenn Sie im Verkauf arbeiten möchten und über gute Menschenkenntnis verfügen – super! Schreiben Sie es hinein! Wenn Sie sich für eine Stelle in der Buchhaltung bewerben, wird gute Menschenkenntnis wohl keine ausschlaggebende Fähigkeit sein.

Vermeiden Sie nichtssagende Floskeln! Wenn Sie keine passenden Fähigkeiten oder Talente finden, die aussagekräftig sind und Sie gut beschreiben, dann lassen Sie diese Rubrik lieber weg.

Wenn Sie aber passende Talente besitzen, die ein Pluspunkt für die offene Stelle sind, dann kann das das i-Tüpfelchen auf Ihrer Bewerbung sein.

Hobbys

Das Gleiche gilt für Hobbys. Wenn Sie ein Hobby haben, dass Persönlichkeitsmerkmale hervorhebt, die Sie für die ausgeschriebene Stelle brauchen könnten, dann schreiben Sie es gerne rein. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Hobbys haben nichts mit der Stelle zu tun, dann lassen Sie sie besser weg.

Auch wenn Sie glauben, dass Hobbys Privatsache sind und in einem Lebenslauf nichts verloren haben, dann streichen Sie diesen Punkt einfach. Ihrem Lebenslauf werden sie nicht fehlen. Mehr zum Thema Hobbys im Lebenslauf finden Sie hier.

Fazit

Wie Sie sehen, gibt es bei einem Lebenslauf einen Rahmen, der mehr oder weniger vorgegeben ist. Wie Sie diesen Rahmen füllen, hängt von 2 wichtigen Faktoren ab:
• Ihrem persönlichen Werdegang
• Der ausgeschriebenen Stelle

Versetzen Sie sich in die Lage der Personalistin und überlegen Sie, ob Sie die Informationen als hilfreich beurteilen würden. Das ist oft schon eine gute Entscheidungsgrundlage!

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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