Die 10 häufigsten Lebenslaufmythen

Manchmal kommt es mir so vor, als würden sich um den Lebenslauf genauso viele Mythen ranken wie um das Ungeheuer von Loch Ness. Viele Ratschläge stammen noch aus der Zeit, als der Lebenslauf handschriftlich verfasst werden musste. Leider halten sich diese Lebenslaufmythen hartnäckig 🙁

Jeder scheint zu dem Thema eine eigene Meinung zu haben, auch wenn derjenige selbst noch nie Personal gesucht hat oder schon lange keine erfolgreichen Bewerbungen mehr geschrieben hat. Verstehen Sie mich nicht falsch – eine eigene Meinung zu haben, ist ja in Ordnung. Das Problem ist, dass derjenige seine Meinung als gut gemeinte aber falsche Ratschläge an Arbeitsuchende weitergibt. Das Ergebnis sind leider immer wieder schlechte Bewerbungsunterlagen und folglich fassungsloses Kopfschütteln bei den Rekruitern.

Das sind die 10 Lebenslauf-Mythen, auf die Sie nicht hereinfallen dürfen:

Mythos 1: Ein Lebenslauf darf nicht länger sein als 1 Seite.

FALSCH! Wer sich an die 4 Hauptinhalte eines Lebenslaufs hält, wird schon automatisch über diese 1 Seite hinauskommen. Zur Erinnerung – das sind die 4 Hauptinhalte:

  1. Persönliche Daten
  2. Beruflicher Werdegang
  3. Ausbildung
  4. Kenntnisse und Fähigkeiten

Eventuell kommen Schulabgänger, die noch keine Berufserfahrung haben, mit 1 Seite aus. Aber sogar sie sollten besonders ihre Kenntnisse, Fähigkeiten, Talente, etc. hervorheben, sodass es sogar hier mit 1 Seite knapp wird.

Mythos 2: In meinen Lebenslauf muss ich alles hineinpacken, was ich jemals gemacht habe.

FALSCH! Sie sollten sich besonders auf jene Informationen konzentrieren, die aktuell sind und die für die ausgeschriebene Stelle relevant sind.

  • Aktuelle Informationen: Nennen Sie nur Weiterbildungen, die Sie in den letzten 10 bis max. 15 Jahren absolviert haben. Sie haben vor 15 Jahren mal den ECDL-Computerführerschein gemacht? Das ist schon längst überholt. Auch Ihr Volksschulzeugnis interessiert niemanden mehr – auch wenn es vielleicht das einzige ist, wo Sie lauter Einser hatten.
  • Relevante Informationen: Wenn Sie schon viele Weiterbildungen gemacht haben, geben Sie nur diejenigen an, die für die ausgeschriebene Stelle wichtig sind. Sie bewerben sich für einen Job im Büro und haben einen Kurs über Maniküre und Nageldesign gemacht? Vergessen Sie’s. Sie haben schon 10 Jahre Berufserfahrung? Dann lassen Sie Ferialjobs oder Nebenjobs weg – es sei denn, einer dieser Jobs bringt Ihnen Pluspunkte für die ausgeschriebene Stelle. Eine abgeschlossene Lehre, ein abgeschlossenes Studium oder ein Diplom-Lehrgang sind immer relevant, da sie zeigen, dass Sie Dinge durchziehen und zu Ende bringen können.

Wenn es Ihnen das Herz bricht, etwas nicht erwähnen zu dürfen, oder wenn Sie wirklich viele Ausbildungen oder Zeugnisse haben, dann können Sie das im Lebenslauf mit „diverse“ zusammenfassen und darauf hinweisen, dass Sie die Zeugnisse bei Bedarf nachreichen:

Diverse EDV-Kurse, diverse Kommunikationstrainings, diverse Englisch- und Französischkurse (Zeugnisse können auf Nachfrage bereitgestellt werden).

Mythos 3: Ich muss alle beruflichen Stationen gleich ausführlich beschreiben.

FALSCH! Auch hier gilt die Regel: die letzten – also aktuellsten – Jobs werden ausführlich beschrieben als jene Jobs, die schon länger zurückliegen. Dafür betrachten Sie am besten die letzten 5 Jahre: hatten Sie in diesem Zeitraum mehrere Jobs, dann konzentrieren Sie sich am besten auf die aktuellsten. Wenn Sie in diesem Zeitraum nur 1-2 Jobs hatten, können Sie auch etwas weiter zurückgehen und noch einen 3. Job ausführlicher beschreiben. Hatten Sie in den letzten 10 Jahren einen Job, der demjenigen ähnlich ist, für den Sie sich bewerben? Dann beschreiben Sie ihn auch einen Tick ausführlicher, als wenn er für den neuen Job unwichtig wäre.

Wenn Jobs schon länger als 10-15 Jahre zurückliegen, werden sie nur mehr als Zweizeiler (Position, Arbeitgeber, Zeitraum) erwähnt.

Mythos 4: Ich kann EINEN Lebenslauf für ALLE Bewerbungen verwenden.

FALSCH! Oder besser gesagt: nur bedingt richtig. Wenn Sie Ihren Wunschjob und Ihren Wunscharbeitgeber im Vorfeld schon ganz genau eingegrenzt haben UND Sie Ihren Lebenslauf schon punktgenau darauf abgestimmt haben, dann können Sie einen Lebenslauf für alle Bewerbungen nutzen.

Im Normalfall ist das aber meist nicht so.

Meistens ist es notwendig, Ihren Lebenslauf auf das Stelleninserat der ausgeschriebenen Stelle abzustimmen. Einmal bewerben Sie sich bei einer kleineren Firma. Da müssen Sie vielleicht das Telefontraining erwähnen, dass Sie vor 5 Jahren gemacht haben. Ihre nächste Bewerbung geht an eine kleine Niederlassung eines Konzerns. Da ist vielleicht Ihre SAP-Erfahrung wichtig.

Oder Sie bewerben sich bei einer Firma mit Konzernzentrale in Frankreich. Da wird es Ihnen helfen, wenn Sie Ihre Französischkenntnisse auf Maturaniveau mit dem Zusatz „Bereitschaft zur Vertiefung vorhanden“ versehen. Bei einer Bewerbung bei einem regional tätigen Unternehmen werden Sie diese Anmerkung wieder löschen.

Sie werden auch die Beschreibungen Ihrer letzten beruflichen Tätigkeiten daraufhin anpassen, was in der Stellenausschreibung verlangt wird. Genauso überlegen Sie sich, ob Sie vielleicht eine Stärke haben, die genau auf die ausgeschriebene Stelle passt, die Sie aber für Ihre vorherige Bewerbung noch nicht gebraucht hatten.

Kurz – Sie schneidern Ihren Lebenslauf genau auf die Stellenausschreibung zu.

Natürlich erfinden Sie nichts, was nicht wahr ist! Aber vielleicht müssen Sie für die eine Bewerbung etwas mehr betonen oder herausstreichen als für die vorherige Bewerbung.

Mythos 5: Das Layout ist unwichtig.

FALSCH! Das Layout ist ein wichtiger Teil Ihres Lebenslaufs! Es muss 2 Kriterien erfüllen:

1. Das Layout muss zur Übersichtlichkeit beitragen:
Die wichtigste Funktion Ihres Lebenslaufs ist, dem Rekruiter schnell und gut aufbereitet Ihre Qualifikation für die ausgeschriebene Stelle sichtbar zu machen. Dazu muss auch das Layout beitragen. Die Darstellung soll gut lesbar sein. Wichtiges können Sie ruhig auch in Fettdruck schreiben. Verwenden Sie Aufzählungszeichen.

2. Das Layout muss optisch ansprechend sein.
Sie können Ihrem Lebenslauf ruhig einen Farbtupfer mitgeben, z.B. eine farbige Trennlinie oder farbige Überschriften. Übertreiben Sie es aber nicht mit den farblichen Akzenten! Es handelt sich schließlich um Ihren Lebenslauf und nicht um eine grelle 70er-Jahre Tapete. Natürlich kommt das Layout auch auf die ausgeschriebene Stelle an. Eine Bewerbung für den Finanzbereich wird schlichter und straighter gehalten sein als die Bewerbung für die Kreativabteilung.

Außerdem beweist mit einem guten Layout auch Ihre Computerkenntnisse. Sie sind offenbar in der Lage, ein Word-Dokument mit grafischen Elementen aufzuhübschen.

Wichtig ist: das Layout muss die Übersichtlichkeit des Lebenslaufs unterstützen!

Schreiben Sie nicht, was Sie wissen, sondern was Sie können!

Oskar Kern

Mythos 6: Ein Lebenslauf muss datiert und unterschrieben sein.

FALSCH! Dieser Mythos geht noch auf die Zeit zurück, als ein Lebenslauf mit der Hand geschrieben wurde. Heutzutage, wo die Unterlagen meist elektronisch verschickt werden, muss ein Lebenslauf weder datiert noch unterschrieben sein.

Allerdings können Sie auch hier Ihre Computerkenntnisse unter Beweis stellen, wenn Sie trotzdem Ihre Unterschrift einscannen und unter Ihren Lebenslauf oder unter Ihr Motivationsschreiben setzen.

Mythos 7: Heutzutage muss ich kein Foto mehr mitschicken.

FALSCH! Dieser Mythos hat seinen Ursprung im amerikanischen Raum. Dort – und oft auch schon in Deutschland – ist es üblich, dass die Bewerbungsunterlagen kein Foto mehr enthalten. Dadurch soll verhindert werden, dass eine Bewerberin oder ein Bewerber aufgrund ihres/seines Aussehens diskriminiert wird.

Bei uns in Österreich ist es nicht üblich, das Bewerbungsfoto wegzulassen. Im Gegenteil, wenn Bewerbungsunterlagen kein Foto enthalten, werden sofort Vermutungen angestellt, was denn der Grund dafür sein kann.

Außerdem fällt es den Lesern Ihres Lebenslaufs einfach leichter, sich ein Bild von Ihnen zu machen, wenn Sie ein Bild von Ihnen haben.

Daher verwenden Sie ein gut gemachtes Foto, am besten von einem Profifotografen gemacht.
Mehr zum Thema Bewerbungsfoto finden Sie hier.

Mythos 8: Als Frau erwähne ich meine Kinder am besten gar nicht.

FALSCH! Auch zu diesem Mythos habe ich schon einen Blogbeitrag geschrieben.

Verschweigen Sie Ihre Kinder nicht. Weisen Sie lieber ausdrücklich darauf hin, dass die Kinderbetreuung gesichert ist.
In Ihrem Lebenslauf sind wahrscheinlich Ihre Karenzzeiten ohnehin zu erkennen, also hat ein Verschweigen keinen Sinn und macht eher misstrauisch.

Mythos 9: Weil ich schon über 50 bin, habe ich bessere Chancen, wenn ich mein Geburtsdatum nicht angebe.

FALSCH! Leider habe ich schon davon gehört, dass sogar „Profis“ ihren Kunden diesen Rat geben. Ich halte das für absoluten Schwachsinn. Mal ganz ehrlich: für wie dumm halten sie die Personalisten? Wenn Sie 1983 Ihre Lehre abgeschlossen haben oder 1983 maturiert haben – wie alt werden Sie wohl sein?

Gehen Sie lieber offen und ehrlich mit dem Thema um! Nach dem Motto „Ich bin über 50, na und?“ Weisen Sie ausdrücklich auf die Vorteile hin, die Ihr Alter mit sich bringt, und entkräften Sie schon im Vorfeld etwaige Vorurteile:

  • Sie bringen schon reichlich Berufs- und Lebenserfahrung mit und haben schon etliche Krisen erfolgreich gemeistert.
  • Kinderbetreuung ist kein Thema mehr für Sie.
  • Sie sind zeitlich flexibel.
  • Sie sind immer noch bereit, Neues zu lernen und Ihre Kenntnisse zu erweitern.
  • Neue Technologien sind für Sie eine spannende Herausforderung.
  • Es macht Ihnen nichts aus, wenn Sie einen Vorgesetzten hätten, der jünger ist als Sie.

Mythos 10: Es geht um das, was ich WEISS, nicht um das, was ich KANN.

FALSCH! Wissen ist vergänglich bzw. in der heutigen Zeit leicht zu beschaffen. Wichtig ist, was Sie können und wie Ihre Einstellung ist.

Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie auszeichnet und wo Ihre Stärken liegen. Das macht Sie einzigartig und hebt Sie von anderen Bewerbern ab. Auch Oskar Kern, der Geschäftsführer des Elektronikunternehmens ELIN, sagt über Bewerbungen: „Schreiben Sie nicht, was Sie wissen, sondern was Sie können!“

 

Ich hoffe, ich konnte die Lebenslauf-Mythen aufklären und aus der Welt schaffen!
Denken Sie dran:
Machen Sie es dem Rekruiter leicht, in Ihrem Lebenslauf Ihre Qualifikation für den Job deutlich zu erkennen. Denn eine Personalistin hat im Durchschnitt 30 Sekunden (!!!!) für die Beurteilung Ihres Lebenslaufes.

Und was die guten Ratschläge wohlmeinender Mitmenschen betrifft, empfehle ich die Hör-CD Über die Wirksamkeit ausbleibender Ratschläge: Gespräch mit Manfred Winterheller

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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