Für einen „vorbildlichen“ beruflichen Werdegang ist ein geradliniger, durchgängiger Karriereverlauf optimal. (Warum ich das „vorbildlich“ in Anführungszeichen gesetzt habe, sage ich Ihnen am Schluss.) Aber oft ist das Leben nicht so geradlinig, wie es für einen Lebenslauf wünschenswert wäre. Oft hat unser Ausbildungs- oder Berufsweg Lücken oder Mankos, die wir geschickt in unserem Lebenslauf verpacken müssen.
Ein Lebenslauf muss chronologisch aufgebaut sein, das heißt er soll Ihren Ausbildungs- und Karriereverlauf lückenlos abbilden. Da hilft es auch nichts, Lücken oder Mängel zu verschweigen. Glauben Sie mir, erfahrene Personalisten decken eine Lücke im Lebenslauf genauso todsicher auf, wie Inspector Columbo am Ende seinen Täter überführt.
Verschweigen ist also keine Option. Das heißt aber noch lange nicht, dass man dem Personalisten im Lebenslauf alles auf die Nase binden muss. Nicht verschweigen, nicht lügen, aber verschönern. Gut schminken, wenn Sie so wollen.

Seien Sie so beschönigend wie nötig aber so ehrlich wie möglich! Karin Leitmüller

Welche Mankos im Lebenslauf sollten daher überschminkt werden?

  • Fehlende Ausbildungsabschlüsse
  • Lücken, in denen Sie nicht erwerbstätig waren

 

Fehlende Ausbildungsabschlüsse

Fehlende Ausbildungsabschlüsse sind beispielsweise

  • eine abgebrochene Lehre
  • eine Lehre ohne Lehrabschlussprüfung
  • ein abgebrochenes Studium
  • wenn Sie vorzeitig die Schule geschmissen haben

Diese Zeiten scheinen in Ihrem Lebenslauf auf, ohne dass Sie ein dazugehöriges Abschlusszeugnis vorweisen können.
Stehen Sie dazu, es hilft ja nichts. Aber geben Sie eine einleuchtende und plausible Erklärung dafür ab. Sie haben Ihre Lehre abgebrochen, weil Sie gemerkt haben, dass die Tätigkeit nicht das Richtige für Sie war? Oder weil Sie eine Lehrstelle gefunden haben, die näher bei Ihrer Wohnung gelegen war? Sie haben die Schule geschmissen, weil Sie lieber gleich arbeiten gehen und Geld verdienen wollten? Sie haben Ihr Studium abgebrochen, weil Sie schon während des Studiums ein Jobangebot hatten, das Ihre ganze Aufmerksamkeit gefordert hat?

Schön und gut.

Achten Sie darauf, dass Ihre Erklärungen auch plausibel und nachvollziehbar sind. Wenn Sie sagen, dass Ihre neue Lehrstelle näher bei Ihrer Wohnung war, dann sollte ich als Personalistin das auch aus dem Lebenslauf herauslesen können. Wenn Sie sagen, Sie haben Ihr Studium wegen eines coolen Jobangebots abgebrochen, dann sollte das nicht gerade Kellnern in einem Nachtlokal sein.

Lücken im Lebenslauf

Fast jeder Mensch hat heutzutage schon Lücken in seinem Lebenslauf. Vielfach handelt es sich dabei um Arbeitslosigkeit; bei Frauen kommen oft noch Kinderbetreuungszeiten dazu. Auch hier gilt: Versuchen Sie nicht, Lücken zu verschweigen oder zu verstecken! Manche Bewerber denken, sie könnten die Personalisten überlisten, wenn sie für den Lebenslauf keine chronologische Abfolge wählen. Lassen Sie die Finger davon! Erfahrene Personalisten wittern diesen Trick 10 Meter gegen den Wind.

 

Haben Sie Mut zur Lückenlosigkeit! Karin Leitmüller

Versuchen Sie, Lückenzeiten plausibel zu begründen und so positiv wie möglich darzustellen. Versuchen Sie zu zeigen, dass Sie trotz Ihrer Erwerbstätigkeit nicht nur untätig zuhause auf der Couch gesessen sind sondern aktiv waren. Gibt es etwas, was Sie in dieser Zeit gelernt haben, wovon Sie auch im Job profitieren können? Erfahrungen, die Sie gesammelt haben? Veranstaltungen oder Seminare, die Sie besucht haben? AMS-Maßnahmen, an denen Sie teilgenommen haben?

Denken Sie wieder daran:
Nicht verschweigen, nicht lügen, aber verschönern.

Hier einige Tipps für Lückenfüller:

Arbeitslosigkeit:

  • „Auf Jobsuche“: hört sich aktiv und selbstbestimmt an
  • „Berufliche Neuorientierung“: besonders passend, wenn sich Ihr folgender Job von jenem vor der Arbeitslosigkeit unterscheidet
  • „Persönliche Weiterentwicklung“: wenn Sie währenddessen eine Aus- oder Weiterbildung gemacht haben

Sie können auch gerne AMS-Maßnahmen anführen, an denen Sie teilgenommen haben.

Krankheit:

  • „Persönliche Auszeit“ oder „Phase der persönlichen Neuorientierung“: bei Krankheiten, bei denen ein potentieller Arbeitgeber befürchten könnte, dass Sie einen Rückfall haben könnten oder Ihr neuer Job dadurch beeinträchtigt wird (Burnout, Depression, Suchterkrankungen, etc.)
  • „Job-Pause aus gesundheitlichen Gründen“: Seien Sie vorsichtig damit, ob Sie eine Krankheit offen zugeben! Machen Sie das nur, wenn die Krankheit vorüber ist und keine Gefahr besteht, dass der neue Job dadurch beeinträchtigt wird.

 

Wann kann ich ehrlich und klar sagen, wie es war?

  • Kindererziehung/Babypause: Nennen Sie es bitte nicht „Familienmanagement“ (es sei denn, Sie sind der Manager der Kelly Family).
  • Bildungskarenz: Geben Sie an, welche Weiterbildung Sie gemacht haben.
  • Pflege eines Angehörigen: Hier können Sie darauf hinweisen, dass Sie durch Ihre Pflegetätigkeit Ihre Belastbarkeit unter Beweis stellen konnten.
  • Weltreise: Wie geil ist das denn! Da werden die Leser Ihres Lebenslaufs ganz blass vor Neid!

 

Denken Sie bitte daran, auch Nebenjobs oder Gelegenheitsjobs anzugeben. Erwähnen Sie auch unentgeltliche Tätigkeiten, z.B. wenn Sie während Ihrer Karenz in der Firma eines Angehörigen mitgearbeitet haben oder wenn Sie neben Ihrer Jobsuche Ihre ehrenamtliche Tätigkeit noch intensiver ausgeführt haben.

Nochmal zur Erinnerung:
Seien Sie so beschönigend wie nötig aber so ehrlich wie möglich!

Zum Abschluss möchten Sie sicher noch wissen, warum ich in der Einleitung das Wort „vorbildlich“ in Anführungszeichen gesetzt habe. Manchmal sind nicht die geradlinigen Lebenswege die vorbildlichen – also die interessantesten und erfolgreichsten, sondern jene mit Ecken und Kanten.

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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