Wie Sie vor und nach dem Bewerbungsgespräch punkten können

Ein Bewerbungsgespräch ist immer eine aufreibende Angelegenheit. Jeder ist dabei nervös und aufgeregt. Jeder möchte einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

Wenn Sie aber denken, dass das Vorstellungsgespräch mit dem ersten Händeschütteln beginnt, dann liegen Sie falsch! Die Beobachtungsphase beginnt eventuell schon mit Ihrem Eintreffen auf dem Parkplatz. Kommen Sie wild und hektisch angerast und beschimpfen einen anderen Autofahrer, weil der Ihnen den Parkplatz weggeschnappt hat? Oder zünden Sie sich kurz vor dem Gespräch noch schnell eine Zigarette an? Vielleicht hat die Personalistin ein Büro mit direktem Blick auf den Parkplatz und kann das Ganze heimlich beobachten. Sie können sich denken, dass das keinen guten Eindruck macht. Und wenn Ihr Gesprächspartner Nichtraucher ist, dann hat Ihnen der Geruch von kaltem Zigarettenrauch gerade den ersten Minuspunkt eingebracht.

Kommen Sie früh genug, um pünktlich zu sein, aber nicht viel zu früh. Wenn Sie viel zu früh da sind, weil die Anfahrt schneller ging als erwartet oder weil Sie sicherheitshalber einen Zeitpuffer eingeplant haben, dann bleiben Sie noch etwas im Auto sitzen. Viel zu früh zu kommen ist genauso unhöflich wie zu spät zu kommen.

Oft ist Ihre erste Kontaktperson in der Firma eine Empfangsdame oder eine Sekretärin. Seien Sie natürlich auch ihr gegenüber freundlich und respektvoll. Eigentlich sollte das ohnehin selbstverständlich sein, aber das ist tatsächlich oft nicht der Fall. Es gibt Bewerber, die zu ihren Gesprächspartnern im Bewerbungsgespräch freundlich und nett sind, aber die Sekretärin oder die Empfangsdame herablassend behandeln. Lassen Sie sich das gesagt sein: auch das fließt in Ihre Beurteilung mit ein. Eine Rekruiterin in einer Personalberatungsfirma hat mir bestätigt, dass sie sehr wohl auch nachfragt, wie sich der Bewerber bei der Terminvereinbarung oder beim Eintreffen im Büro gegenüber ihren Assistentinnen verhalten hat. Auch ich selbst habe mich oft bei meinen Mitarbeitern, die Kontakt zu einem Bewerber hatten, nach ihrem Eindruck erkundigt.

Ihr potentieller Arbeitgeber nutzt jede Möglichkeit, um das Bild, das er von Ihnen hat, zu ergänzen!

Versuchen Sie, auch während einer Wartezeit einen ruhigen und gelassenen Eindruck zu machen. Schauen Sie nochmal in Ihre Bewerbungsunterlagen, oder blättern Sie in einer Zeitschrift aus dem Wartebereich. Vermeiden Sie es, öffentlich an Ihrer Frisur herum zu zupfen oder Ihr Make-Up zu kontrollieren. Wenn Sie noch einen letzten Blick auf Ihr Äußeres werfen möchten, dann gehen Sie dafür kurz auf die Toilette.

Als Bewerber fiebern Sie dem Moment entgegen, wenn die Personalistin auf Sie zukommt und Ihnen zur Begrüßung die Hand gibt. Genauso fällt Ihnen ein Stein vom Herzen, wenn Sie vom Bewerbungstisch aufstehen und sich endlich wieder von Ihren Gesprächspartnern verabschieden dürfen – egal ob das Vorstellungsgespräch Ihrer Meinung nach gut gelaufen ist oder nicht. Sie sind immer erleichtert.

Aber ACHTUNG WARNUNG!!!

Verlieren Sie nicht zu früh Ihre Konzentration! Auch wenn das offizielle Gespräch schon zu Ende ist, stehen Sie noch immer unter Beobachtung!

Egal, ob Sie von der Personalistin oder von einer Assistentin hinausbegleitet werden – denken Sie daran: Es ist immer noch wichtig, wie Sie auf andere Menschen wirken! Ruinieren Sie nicht ein gutes Vorstellungsgespräch mit einem schlechten letzten Eindruck!

Verlassen Sie nicht fluchtartig das Gebäude (auch wenn Sie es wahrscheinlich gar nicht mehr erwarten können, raus zu kommen). Greifen Sie draußen nicht gleich zu Ihrem Handy, um dem Partner oder der besten Freundin brühwarm zu erzählen, wie es gelaufen ist. Wer weiß, ob nicht das Grüppchen Raucher, die vor der Türe stehen, künftige Arbeitskollegen sind, die alles mitanhören, was Sie sagen. Wenn die Sekretärin Sie hinausbegleitet und fragt, wie es gelaufen ist, sagen Sie nicht „Das habe ich wohl voll in den Sand gesetzt.“

Versuchen Sie, auch beim Hinausgehen einen freundlichen und professionellen Eindruck zu machen.

Grüßen Sie die Leute, die Ihnen im Flur begegnen. Machen Sie positive Bemerkungen über die Arbeitsumgebung: „Sie haben wirklich schöne Büros.“ oder „Ich sehe, hier steht ein Trinkwasserspender. Das ist eine gute Idee.“ Oder vielleicht erhaschen Sie auch einen Blick auf die Aushänge im Büro und können dazu einen positiven Kommentar abgeben. Ihre Begleitung – egal ob vorheriger Gesprächspartner oder Sekretärin – fühlt sich respektiert, weil Sie ihren Arbeitsplatz wertschätzen. (Dasselbe gilt natürlich auch für Ihr Eintreffen im Büro.)

Wichtig ist, dass Sie den Spannungsbogen aufrechterhalten, bis Sie in Ihrem Auto sitzen. Oder eigentlich, bis Sie vom Firmengelände runter sind. Schließlich hilft das beste Bewerbungsgespräch nichts, wenn Sie beim Ausparken den Junior-Chef über den Haufen fahren.

Zur Veranschaulichung dieses Spannungsbogens möchte ich eine Geschichte wiedergeben, die Wolfgang Fasching, der österreichische Extremsportler, in seinem Buch Du schaffst was du willst erzählt. Wolfgang Fasching hat insgesamt 8 Mal beim Race Across America teilgenommen und ist immer auf dem Stockerl gelandet (3x sogar ganz oben). Zur Info: das Race Across America ist das härteste Radrennen der Welt. Die Strecke ist über 5.000 km lang und führt von der West- zur Ostküste der USA. 10 Meilen vor Ziel gibt es den sogenannten Penalty Point, wo etwaige Zeitstrafen abgesessen werden müssen. Dort wird auch das Endklassement geschrieben. Für die Fahrer ist das das inoffizielle Ziel, denn wer 5.000 km Rad gefahren ist, der sitzt die letzten 10 Meilen auf einer Gesäßbacke ab – möchte man meinen. Auch für Wolfgang Fasching war dieser Penalty Point immer das inoffizielle Ziel. Aber sobald er diesen Penalty Point hinter sich gelassen hatte, ist seine Motivation und Konzentration derart in den Keller gefallen, dass er sich nur mehr mit Müh und Not ins offizielle Ziel geschleppt hat. Er hat nämlich seinem Unterbewusstsein suggeriert, dass die letzten Meilen sinnlos wären, weil das Ziel ja schon erreicht ist.

Das darf Ihnen bei einem Vorstellungsgespräch NICHT passieren!

Halten Sie Ihren Spannungsbogen aufrecht, bis die Firma außer Sichtweite ist. Erst dann dürfen Sie loslassen. Machen Sie von der ersten bis zur letzten Sekunde einen sympathischen und professionellen Eindruck und unterstreichen Sie damit Ihre Qualifikation für die offene Stelle!

Der erste Eindruck zählt, aber der letzte Eindruck bleibt.

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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