Eine Frage, die ich oft höre, ist: „Soll ich meine Hobbys im Lebenslauf erwähnen oder nicht?“
Meine Antwort darauf ist ein klares „Naja, kommt darauf an.“ 😉

Viele Punkte wie Berufserfahrung oder Ausbildung sind ein MUST-HAVE in einem Lebenslauf. Das muss rein, da besteht kein Zweifel. Hobbys oder Freizeitaktivitäten gehören da definitiv nicht dazu.

Warum überhaupt Hobbys im Lebenslauf?

Sie zählen eher zu den NICE-TO-HAVE Inhalten, sind sozusagen das Sahnehäubchen auf der Torte oder sogar nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Wozu dienen diese nice-to-have Inhalte, genauso wie die Kirschen auf dem Sahnehäubchen? Sie sollen das Gesamtbild abrunden:

1. Der Leser Ihres Lebenslaufs kann sich ein besseres Bild von Ihrem Charakter und Ihrer Persönlichkeit machen.
2. Sie können unterstreichen, wie gut Sie für die ausgeschriebene Stelle geeignet sind.

Hobbys oder Freizeitaktivitäten kommen also nur in den Lebenslauf rein, wenn sie Ihnen einen Vorteil für Ihre Bewerbung bringen.

Dafür müssen Sie sich folgende 2 Fragen stellen:

Frage 1: Welches Bild macht sich der Leser Ihres Lebenslaufs von Ihnen, wenn er/sie Ihre Hobbys liest?

Um das herauszufinden, möchte ich ein paar Fälle mit Ihnen durchspielen. Dabei möchte ich Ihnen zeigen, welchen Eindruck gewisse Hobbys bei den Leserinnen und Lesern Ihres Lebenslaufes hervorrufen können.

Fall 1: Standard 08/15 Hobbys

Radfahren, Musik, Lesen,…
*gähn* Diese Hobbys sind ungefähr so spannend, wie sich Urlaubsfotos anderer Leute anzusehen. Wenn man es selbst macht, ist es sicher klasse, aber für Außenstehende ist das eine echte Schlaftablette. Der Eindruck, den Sie damit vermitteln, ist klar: solide aber langweilig. Daher in dieser Form ganz klar im Lebenslauf WEGLASSEN!

Fall 2: Hobbys, für die man Ausdauer oder Geduld braucht

Marathonläufer / Triathlet, Kripperl schnitzen, Schach spielen auf Turnierniveau,…
Wenn Sie diese Hobbys haben, beweisen Sie, dass Sie Ausdauer und Durchhaltevermögen besitzen. Sie haben die Fähigkeit, sich ein Ziel zu setzen und sich auf dem Weg dorthin nicht beirren zu lassen. Längerfristige Aufgaben oder Projekte sind bei Ihnen in guten Händen, weil Sie nicht gleich aufgeben sondern dranbleiben und durchhalten. Also rein in den Lebenslauf!

Fall 3: Außergewöhnliche Hobbys

Mittelalter-Liverollenspiele, Einrad fahren, Geocaching, Bienen züchten,…
Solche Hobbys sind außergewöhnlich und fallen gleich ins Auge. Es zeigt, dass Sie sich nicht scheuen, Neues auszuprobieren. Sie sind wahrscheinlich neugierig, experimentierfreudig und aufgeschlossen. Und es kann ja sein, dass Sie der/die Personalist/in auch deshalb zu einem Vorstellungsgespräch einlädt, um mehr über Ihre Hobbys zu erfahren. Auch hier – rein in den Lebenslauf! Es sei denn, das Hobby ist so eigentümlich, dass es Sie als Sonderling darstellen würde (etwa Gartenzwerge sammeln). Dann natürlich nicht.

Fall 4: Halsbrecherische Hobbys

Fallschirmspringen, Paragliding, Freeriding (mit Ski, Bike, …),…
Ok, Sie signalisieren, dass Sie kein Risiko scheuen und sich gerne in gefährliche Situationen begeben. Vielleicht sucht eine Firma ja genau so jemanden. Vielleicht hat die Personalistin beim Lesen Ihres Lebenslaufs aber auch Bilder im Kopf von gebrochenen Knochen und unzähligen Tagen Abwesenheit wegen verletzungsbedingtem Krankenstand. Natürlich können Sie einwenden, dass Sie peinlich genau auf die nötigen Sicherheitsvorkehrungen achten und Sie Ihr Können so gut einschätzen können, dass das Risiko minimal ist. Also, rein in den Lebenslauf oder nicht? Kommt auf die Position an, für die Sie sich bewerben (siehe auch Frage 2 unten). Eher nein, aber Ausnahmen sind möglich.

Fall 5: Ehrenamtliche Tätigkeiten oder soziales Engagement

Freiwilliger Helfer beim Roten Kreuz oder bei der Feuerwehr, Trainer der örtlichen Jugend-Fußballmannschaft, ehrenamtliche Tätigkeit in einem Eltern-Kind-Zentrum oder einem Altersheim,…
Sie setzen sich für eine gute Sache ein, ohne dafür bezahlt zu werden. Das signalisiert Begeisterungsfähigkeit, Solidarität und Engagement. Das sind Charaktereigenschaften, die in jeder Firma gefragt sind. Auf alle Fälle REIN in den Lebenslauf!

Kommen wir also zu der 2. Frage, die Sie sich stellen sollten:

Frage 2: Unterstreicht mein Hobby meine Kompetenzen und meine Qualifikation für die offene Stelle?

Die Leserinnen und Leser Ihres Lebenslaufes nutzen jedes Detail, um sich ein Bild von Ihnen und Ihren Qualifikationen für die Stelle zu machen. Alles, was Ihnen ein Plus an Kompetenz und Qualifikation gibt, ist da ein Vorteil. Alles was nicht hilfreich ist, bleibt draussen.

Sie bewerben sich als knallharter Sanierer, der eine Abteilung umstrukturieren soll und vielleicht auch Mitarbeiter kündigen muss? Dann werden Freizeitaktivitäten, bei denen Sie Ihr soziales Engagement und Ihre Nächstenliebe unter Beweis stellen, in Ihrem Lebenslauf nicht hilfreich sein. Das Training für einen Triathlon allerdings schon.

Sie sind Mountainbike-Freerider, der sich mit dem Rad über die steilsten Hänge und schwierigsten Felsen in die Tiefe stürzt? Wahrscheinlich läuten da bei den meisten Personalistinnen und Personalisten die Alarmglocken. Außer Sie bewerben sich für eine Stelle in einem Sportgeschäft. Da können Sie mit Ihrer praktischen Erfahrung punkten.

Sie bewerben sich für eine Stelle als Führungskraft. Mit einem Hobby wie Bogenschießen haben Sie Vorteile, mit Stricken eher nicht. Auch Reiten würde ich positiv sehen, weil Sie das Pferd mit Ihren Kommandos führen müssen.

Auch mit den oben genannten 08/15 Hobbys möchte ich mich noch „versöhnen“. Beispiel Lesen: an sich ist es wie gesagt ein wenig aufregendes Hobby. Es sei denn natürlich, Sie bewerben sich für eine Stelle in einer Buchhandlung oder Bibliothek. Da ist die Liebe zu Büchern eine Grundvoraussetzung.

Es versteht sich von selbst, dass Sie nur solche Hobbys anführen, die Sie wirklich regelmäßig betreiben!

Welche Formulierung empfehle ich

Wenn Sie Ihre Hobbys im Lebenslauf anführen möchten, dann seien Sie auch hier so präzise wie möglich. Werfen Sie nicht einfach drei Schlagworte ein (Fußball, Musik, Lesen). Denken Sie daran, dass der Leser eine ganz andere Vorstellung von Ihrem Hobby haben kann als Sie.

  • Musik: Musik was? Musik hören? Musik machen? Welche Musik? Bei „Musik“ denkt ein Leser daran, dass Sie entspannt auf der Couch sitzen und Mozart hören. Der zweite sieht Sie vor sich, wie Metallica in voller Lautstärke durch Ihre Wohnung dröhnt.
  • Fußball: Fußball spielen? Regelmäßig im Verein oder gelegentlich mit Freunden? Oder Fußball schauen? Im Fernsehen oder im Stadion?
  • Lesen: Was lesen Sie gerne? Versuchen Sie, 1 Buch pro Woche zu lesen? Auch fremdsprachige Literatur? Fachliteratur oder Belletristik?
  • Radfahren: Sonntags mit der Familie? Täglich 50 km? Jeden Sommer mit dem Rad durch die Toskana? Als Training für das Race Around Austria? Über Stock und Stein mit dem Mountainbike oder lieber mit dem Rennrad auf der Straße?

Bei der Beschreibung Ihrer Berufslaufbahn sind Sie auch so präzise wie möglich, warum nicht auch bei der Beschreibung Ihrer Hobbys. Damit kann sich Ihr potentieller Arbeitgeber ein besseres Bild von Ihnen machen, und Sie stellen damit gleich eine Beziehung zum Leser her. Sie wirken sympathisch und authentisch.

Formulierungsvorschläge:

  • Lesen, vorzugsweise zeitgenössische Literatur und Biografien
  • Mountainbiken, am liebsten querfeldein
  • Geocaching als moderne Schatzsuche gemeinsam mit meiner Familie
  • Joggen, um nach einem Tag im Büro auch mal an die frische Luft zu kommen
  • Malen: abstrakt, mit Acryl auf großen Leinwänden

Zusammenfassung

Ich kann Ihnen also nicht ersparen, selbst abzuwägen, ob es Sinn macht, Ihre Hobbys im Lebenslauf zu erwähnen.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, dann beachten Sie bitte:
• Nennen Sie nur Hobbys, die ein vorteilhaftes Bild von Ihnen zeichnen und die für die ausgeschriebene Stelle ein Pluspunkt sind.
• Finden Sie ansprechende Formulierungen – KEINE Stichworte.

Viel Erfolg beim Bewerben – und viel Spaß bei Ihren Hobbys!

Karin Leitmüller

Karin Leitmüller

Bewerbungsberatung & HR Consulting

Mag. Karin Leitmüller, MA hat fast 15 Jahre Berufserfahrung im Rekruiting bei Personalsuche und Personalauswahl, davon über 10 Jahre Erfahrung als Führungskraft. Sie hat ursprünglich Sozialwirtschaft studiert, später Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Jetzt unterstützt sie Arbeitsuchende und Veränderungswillige als Bewerbungsberaterin sowie Unternehmen bei deren Personalthemen. Sie durfte auch eigene Bewerbungserfahrungen sammeln, als sie sich als Mama mit Kind für Führungspositionen beworben hat.

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